Freitag, 11. November 2011

Mein Baby hat Diabetes!

Myron soll eine unbeschwerte Kindheit erleben – trotz Messen und Spritzen / Engagiert kämpft seine Mutter dafür, dass er den Diabetes als „Freund“ akzeptiert

Leverkusen, 3. November 2011 – Nie wird Ilona Stucke den Satz vergessen, der ihr Leben so plötzlich veränderte. Sie hatte den Notarzt alarmiert, weil mit ihrem Sohn Myron etwas nicht stimmte: Der Kleine ist apathisch, nicht bei sich. Immer häufiger leidet er in letzter Zeit an Infektionen, seine Haut ist an mehreren Stellen entzündet. Oft weint er, hat Durst, ist schlapp und lethargisch. Noch im Krankenhaus, während Myron untersucht wird, hofft Ilona Stucke, dass ihr Sohn bald wieder gesund sein wird. Doch die Diagnose ist eindeutig. Myrons Körper kann den Blutzucker nicht mehr selbstständig regulieren, die Insulin produzierenden Zellen haben ihre Funktion eingestellt. „Ihr Sohn hat Diabetes Typ-1“, sagt die Ärztin. Myron ist gerade 2 Jahre alt.

Gespräche und Schulungen vertreiben Angst und Schuldgefühle

Ilona Stucke kann es nicht glauben. Diabetes – ist das nicht eine Krankheit, an der nur alte und übergewichtige Menschen erkranken? Sie erinnert sich an ihre Physiotherapeuten-Ausbildung und die Vorlesungen zur Kinderheilkunde. Damals erfuhr Ilona Stucke, dass es neben dem weit verbreiteten „Altersdiabetes“ auch den „Typ-1-Diabetes“ gibt, an dem selbst Babys und Kleinkinder erkranken können. Aber doch nicht Myron!

Nachdem die Ärzte die Blutzuckerwerte des Kindes mit Kochsalzlösung und Insulin gesenkt haben, fängt der Kleine wieder an zu lachen und erholt sich zusehends. Doch Ilona Stucke realisiert, dass sich ihr Sohn fortan lebenslang Insulin zuführen muss, ohne die täglichen Injektionen nicht überleben kann. Die alleinerziehende Mutter von vier Kindern hat Angst – vor einer Krankheit, die ohne erkennbaren Grund gekommen ist und nie mehr verschwinden wird. Zwei Wochen bleibt Myron zur Beobachtung in der Klinik – 14 Tage, an denen Ilona Stucke intensiv geschult wird. Und sie hat Glück im Unglück. Denn die Klinik stellt der Mutter eine Diabetesberaterin zur Seite. Elke Bettecken kümmert sich um Myrons Körper, aber auch um die Seele von Ilona Stucke. Sie beruhigt, erklärt, beantwortet Fragen. „Wenn ein Kind erkrankt, sind es natürlich die Eltern, die die Verantwortung für die Behandlung des Diabetes übernehmen müssen“, erklärt Elke Bettecken. Und Ilona Stucke möchte alles wissen: Sie lernt Blutzucker zu messen, Insulin- und Kohlenhydrateinheiten zu berechnen, den Insulin-Pen zu bedienen und wie sich Unterzuckerungen vermeiden lassen. Neben den reinen Fakten sind es die Gespräche mit Elke Bettecken, die ihr Kraft geben und ihr eine wichtige Sorge nehmen: „Ich hatte Angst, etwas falsch gemacht zu haben. Als ich verstand, dass ich keine Schuld an Myrons Diabetes trage, war das sehr erleichternd für mich.“


Eine neue Rolle: Mutter und Diabetes-Managerin in einem

Als Ilona Stucke nach der zweiwöchigen Schulung mit ihrem Sohn nach Hause zurückkehrt, ist sie hoch motiviert und zuversichtlich. In der Klinik hat sie nicht nur gelernt, wie sie mit Myrons Diabetes umgehen, sondern auch, wie sie in kritischen Momenten reagieren kann. Doch nach ein paar Tagen erkrankt der Kleine plötzlich an einer Magen-Darm-Infektion. Nichts von dem, was die Mutter in der Klinik gelernt hat, kann sie anwenden. „Ich war völlig verunsichert“, so Ilona Stucke. „Durch die Infektion ließ sich der Blutzucker schlecht einstellen und Myron behielt die Nahrung nicht lang genug bei sich.“ Wieder ist Elke Bettecken für sie da. Sie kommt zur Familie nach Hause, analysiert die Blutzuckerwerte und flößt dem Kleinen Traubenzucker ein. Nachts bespricht sie per Telefon die notwendigen Schritte. Sie hat jederzeit ein offenes Ohr für die Sorgen und die anfängliche Verunsicherung der Mutter.

Eine unbeschwerte Kindheit; trotz Messen und Spritzen

Mittlerweile, gut 6 Monate später, ist Myrons Erkrankung ein Stück Normalität im Alltag der Familie Stucke geworden. Ca. sechs Mal täglich kommt das „kleine Bienchen“ – so nennt der knapp Vierjährige das Blutzuckermessen. Den kleinen Pieks in den Finger erträgt der Junge ohne Murren. Myron beteiligt sich inzwischen sogar an der täglichen Routine und steckt selbst die Teststreifen in das Blutzuckermessgerät Contour® USB. Seine Mutter führt den Teststreifen an den winzigen Blutstropfen und schon wenige Sekunden später hat sie Gewissheit, ob die Blutzuckerwerte ihres Sohnes im Normbereich liegen. Weil das Gerät die Werte automatisch speichert, muss Ilona Stucke sie nicht direkt in ein Blutzuckertagebuch eintragen – für die vierfache Mutter eine große Erleichterung! Unmittelbar vor oder nach jeder Hauptmahlzeit injiziert Ilona Stucke ihrem Sohn Insulin. Die 38-Jährige erinnert sich gut an das erste Spritzen: „Ich dachte nur: Sei tapfer! Da musst du jetzt durch für deinen Sohn!“

Ilona Stucke möchte, dass Myron auch mit Diabetes eine unbeschwerte Kindheit hat. Doch viele Faktoren nehmen Einfluss auf den Stoffwechsel ihres Sohnes: Infektionen, die im Kindesalter häufig auftreten, sein wachsender Bewegungsdrang und der Wunsch, auch mal naschen zu dürfen. Manchmal muss sie Myron beim Spielen stören oder ihn nachts wecken, um seinen Blutzucker zu messen. Alle drei Monate wird Myron in der Diabetesambulanz untersucht, sein Langzeitwert ermittelt. All das macht das Leben für Myron nicht immer einfach. Aber die ersten Hürden im Umgang mit dem Diabetes hat er dank der Unterstützung seiner engagierten Mutter gemeistert. Ilona Stucke ist sich sicher: Es wird für sie nicht immer einfach sein, ihrem Kind mit zunehmendem Alter mehr Verantwortung für sein eigenes Wohlergehen zu übertragen. Aber sie will Myron die Möglichkeit geben, selbständig zu werden und den Diabetes als „Freund“ zu akzeptieren.

Quelle: Pressemeldung bayervital.de vom 3.11.2011