Freitag, 22. April 2011
Montag, 18. April 2011
13. Hohenmölsener Diabetestag
Freitag, 15. April 2011
Buchvorstellung: Lilly Zaubermaus von Christina Büttner
Sonntag, 6. März 2011
10 Fragen - Interview mit Dr. med. Karsten Milek
Im Zusammenhang mit der Vorstellung bei der diesjährigen Fine Star Verleihung, haben wir ein Interview mit Dr. Karsten Milek geführt, dem Zweitplatzierten des Bayer-Preises.
Die Vorschläge für den Fine-Star kamen aus der ganzen Bundesrepublik, auch uns haben mehrere Personen vorgeschlagen. Wir sind dann von den Organisatoren aufgefordert worden, uns für den Preis zu bewerben.
2. Können Sie die Geschichte des KiDS-Kurses in vier bis fünf Sätzen zusammenfassen?
In den neuen Bundesländern gab es vor der Wende jedes Jahr im Sommer ein großes Ferienlager für Kinder und Jugendliche mit Diabetes mellitus. Nach der Wende kam Frau Dr. Regine Hildebrandt Anfang 1992 in meine damalige Klinik und schlug mit dem ihr eigenen Enthusiasmus vor, diese Tradition wieder zu beleben. Erst als Vorsorgekuren, dann als KiDS-Kurs bezeichnet, wurde dieses Projekt im Sommer 1992 tatsächlich zum Leben erweckt und feiert nun in diesem Jahr sein 20-jähriges Bestehen. Bereits über 1750 Kinder und Jugendliche haben nunmehr an dem Projekt teilnehmen können.
Kindgerecht zu schulen ist in der Praxis oder im Krankenhaus immer etwas anderes als draußen auf der „freien Wildbahn“. Wir können die Kinder und Jugendlichen direkt beim Sport, während der Disco oder beim Ausflug intensiv und individuell betreuen und gleichzeitig ein ganz normales Ferienerlebnis bieten - diese Idee treibt uns voran. Nicht zuletzt spielt hier auch das große soziale Erlebnis eine Rolle, das Selbstwertgefühl der Kinder wird oft deutlich stabilisiert und der Umgang mit ihrem Diabetes erleichtert.
4. Sie sind vom Hause aus auch Sportarzt. Muss man sich den KiDS-Kurs als "verstecktes Sportlager" vorstellen?
Ich bin Sportarzt, Diabetologe und Ernährungsmediziner - also sicher ist die Richtung in unseren KiDS-Kurs damit vorgegeben. Selbstverständlich treiben wir hier sehr viel Sport - Fußball, Handball, Beachvolleyball, Tischtennis und natürlich auch Basketball sind nur einige Sportarten, die wir hier betreiben. Selbst Bewegungsmuffel finden nach einigen Tagen sportliche Betätigungen, die ihnen Spaß machen.
5. Aus eigener Erfahrung wissen wir, dass die Vorbereitung und Organisation eines so großen Ereignisses eine Menge Zeit und Selbstmotivation erfordert. Woher nehmen Sie und Ihr Team die Kraft und den Durchhaltewillen, nun schon 20 Jahre ein viel beachtetes Erlebnis für Kinder und Jugendliche auf die Beine zu stellen?
Es stimmt, gerade in der jetzigen Vorbereitungsphase fragt man sich manchmal, woher die Kraft nehmen. Wir bekommen fast täglich Anfragen und Anmeldungen (aber leider auch Ablehnungen von einzelnen Krankenkassen) für den KiDS-Kurs, der eine Zusage über eine Einzelfallentscheidung ohne Anerkennung einer Rechtspflicht darstellt. Wenn wir dann aber beim Abschlussfest mit den Kindern gemeinsam feiern, sind alle Mühen und aller Ärger abgestreift. Man braucht dann bloß in die Augen der Kinder zu schauen und bekommt ganz ganz viel zurück.
6. Können Sie uns ganz kurz das schönste Erlebnis der letzten 19 Kurse erzählen?
Es gibt jedes Jahr so viele schöne Erlebnisse, so dass ich eigentlich keines hervorheben kann und möchte - wir haben Bisons besucht, einen Ostseeausflug unternommen, einige Erlebnisparks unsicher gemacht - aber eigentlich ist immer der letzte Kurs der Schönste! Im Sommer 2010 haben wir eine Reise „In 14 Tagen um die Welt“ vollzogen, Vampire getroffen, mit den Indianern die Friedenspfeife geraucht, den Fasching in Brasilien gefeiert - das war toll!
Selbstverständlich melden sich viele Teilnehmer vorrangegangener Kurse wieder an, doch natürlich haben Neulinge Vorrecht. Allerdings sollten sich alle Interessenten schnell anmelden, da die Auseinandersetzung mit den Kassen häufig doch einige Zeit in Anspruch nehmen kann. Das Anmeldeformular ist auf unserer Webseite www.kids-kurs.info zu finden.
Erfreulicherweise haben wir immer noch ausreichend Kraft gefunden, uns dieser sicherlich nicht einfachen Aufgabe zu stellen. Es gibt immer wieder schwierige Momente, aber zum Glück steht hinter mir ein sehr qualifiziertes, engagiertes und hoch motiviertes Team - einschließlich meiner eigenen Familie, die ja stellenweise mit dem KiDS- Kurs groß geworden ist und mich hierbei immer unterstützt.
9. Welche Probleme müssen jedes Jahr von neuem bewältigt werden?
Die Planung für den Kurs im nächsten Sommer beginnt schon in den letzten Tagen des laufenden Kurses. Die Verträge mit dem Objekt müssen geschlossen, Ideen gesammelt, ein Motto gefunden sowie Helfer und Mitarbeiter akquiriert werden. Ja und dann geht es sofort wieder los mit den Anmeldungen und den Anträgen bei den Krankenkassen - dies ist leider der schwierigste und zeitaufwändigste Teil für uns.
10. Kannten Sie vor unserem ersten Gespräch die Angebote der Diabetes-Zentrale e.V., zu der auch die Seite Diabetes-Index.de zählt?
Selbstverständlich kennen wir das Forum, von Anfang an haben wir auch die Seite von Diabetes-Index.de auf unserer Webseite www.kids-kurs.info verlinkt.
Freitag, 28. Januar 2011
Samstag, 22. Januar 2011
FINE STAR Sieger 2010
In 14 Tagen um die Welt: 80 Kinder mit Diabetes und ihr „Doc Milek“
KiDS-Kurs gewinnt den mit 5.000 Euro dotierten 2. Platz beim FINE STAR 2010, dem Bayer Preis für kreative Kinderdiabetesprojekte

Nach monatelangen Verhandlungen mit der Krankenkasse kam im vergangenen Juni endlich die Zusage. Vier Wochen später durfte der 8-jährige Niklas seinen Koffer packen und zu einer abenteuerlichen Reise aufbrechen: In einem Feriencamp im brandenburgischen Schlaubetal schlürfte er englischen Tee wie in London und ließ sich amerikanische Hot Dogs schmecken. Er machte eine Safari durch den brandenburgischen „Dschungel“ und saß am Lagerfeuer wie die Indianer. Er lauschte gespannt den gruseligen Vampirgeschichten aus Transsilvanien und genoss im Freibad den Hochsommer wie an der brasilianischen Copacabana. Gemeinsam mit 79 anderen Kindern entdeckte Michael in 14 Tagen die Welt. Das Ziel seiner phantasievollen Reise um den Globus war die Erkenntnis: „Ich kann über Grenzen gehen und alles schaffen“ – trotz Diabetes im Gepäck.
Doc Milek und das „Unternehmen“ KiDS-Kurs
Seit 19 Jahren organisiert der Diabetologe Dr. Karsten Milek den KiDS-Kurs, ein zweiwöchiges Ferienlager für rund 80 Kinder und Jugendliche mit Diabetes. Die Idee stammt aus den Tagen der DDR, als Ferienfreizeiten für chronisch kranke Kinder eine selbstverständliche Leistung der Krankenkasse waren. Nach der Wende setzte sich die damalige Gesundheitsministerin Regine Hildebrandt für die Fortführung der Camps ein und fand 1992 in dem damaligen Assistenzarzt Milek einen engagierten Mitstreiter. Doch um das „Unternehmen“ KiDS-Kurs am Leben zu erhalten, musste dieser von Anfang an viele Hürden überwinden – und bis heute bei den Krankenkassen eine Menge Überzeugungsarbeit leisten. Damit 80 Kinder teilnehmen können, muss der niedergelassene Diabetologe viele Details minutiös planen, jedes Jahr hunderte Krankenkassen-Anträge ausfüllen, zahllose Gespräche führen, Briefe schreiben und Eltern Mut zusprechen. Doch wenn es um „seine“ Kids geht, gibt Doc Milek, wie ihn hier alle nennen, nicht auf. Und weil noch immer einige Krankenkassen das Camp für ein „sozialistisches Experiment“ halten, hat er gemeinsam mit seiner Frau, der Gesundheitswissenschaftlerin Dr. Susanne Milek, sogar eine Studie durchgeführt, die dessen medizinischen Nutzen untermauert. Der KiDS-Kurs ist Karsten Mileks „Baby“. Für Kinder und Jugendliche bewältigt er jedes Jahr auf`s Neue dieses Mammutprojekt, denn, so der vierfache Vater: „Sie sind die wichtigste und ehrlichste Patientengruppe und brauchen unsere Hilfe bei der Bewältigung des Diabetes“. Für seinen Einsatz wurde dem Diabetologen bereits 2004 das Bundesverdienstkreuz am Bande verliehen. Jetzt kann er sich über eine weitere Würdigung freuen: 2010 wurde der KiDS-Kurs mit dem zweiten Platz des FINE STAR Bayer-Preises für kreative Kinderdiabetes Projekte und einem Preisgeld von 5.000 Euro ausgezeichnet.
„Mehr als 1500 Kinder konnten bisher an den Camps teilnehmen und viel Mut, Kraft und Wissen für den täglichen Umgang mit dem Diabetes tanken. Das enorme persönliche Engagement, die Organisationsleistung und die Kreativität, die hinter dem KiDS-Kurs stecken, haben uns begeistert“, begründet Claudia Geis, FINE STAR-Jurymitglied und Leiterin von Bayer Vital/Diabetes Care, die Entscheidung.
Weltreisende, Pokemons und Ritter treffen sich im „MedPunkt“
17. Juli 2010, Ankunft in der Jugendherberge „Bremsdorfer Mühle“ im brandenburgischen Schlaubetal: Nach einem ausführlichen Aufnahmegespräch heißt es auch für Niklas Abschied nehmen von seinen Eltern. Zwei Wochen lang werden die Kids im Alter von sechs bis 16 Jahren fern von zu Hause sein – manche zum ersten Mal in ihrem Leben. Viele von ihnen müssen erst lernen, eigenverantwortlich und selbständig mit dem Diabetes umzugehen. „Nicht jedes Kind ist am Anfang von dieser Idee begeistert“, berichtet Dr. Karsten Milek, „doch spätestens nach ein paar Tagen knacken wir sie alle“. Beim KiDS-Kurs gibt es Regeln, deren Befolgung oberste Pflicht ist – besonders, wenn es um die disziplinierte Einhaltung der Therapie geht. Dabei unterstützt und hilft den Kindern ein 26-köpfiges Team aus Diabetologen, Medizinpädagogen, Diabetesberaterinnen, Diätassistentinnen und MTA. Ihre Basisstation ist der „MedPunkt“, eine Art mobile Diabetesklinik. Rund um die Uhr sind die Betreuer hier im Einsatz, um im Camp eine medizinische Versorgung zu gewährleisten, die mit einem stationären Aufenthalt vergleichbar ist. „80 Kinder mit Diabetes gleichzeitig zu verpflegen, ist schon eine logistische Herausforderung“, erklärt Doc Milek. Doch dabei bleibt es nicht. Auf dem Programm stehen vor allem Spiele, Radtouren, Ausflüge, Lagerfeuer, Wettkämpfe und – fast unbemerkt – auch altersspezifische Diabetes-Schulungen. Während die Kleinen spielerisch lernen, was es mit Über- und Unterzuckerung auf sich hat, stehen bei den Großen Themen wie „Liebe, Sex und Zärtlichkeit“ oder „Diabetes und Drogen“ hoch im Kurs. Das persönliche Erlebnis der Kinder, in der Gemeinschaft sportliche und persönliche Herausforderungen zu bestehen, verbunden mit intensiver medizinischer Betreuung – das sind die Erfolgsfaktoren des KiDS-Kurs. Jedes Jahr findet das Projekt unter einem neuen kreativen Motto statt. So schlüpften die Kinder in die Welt von Rittern, Indianern oder Pokemons. Sie lebten im All und unter Wasser, feierten den Superstar oder die Mini-WM. Immer dabei: Diabolus, das kleine teuflische Maskottchen, das die Kinder und Jugendlichen auch im vergangenen Jahr begleitete – bei ihrer „Reise“ um die Welt. Dass jedes Motto mit Phantasie, Spaß und viel Leben erfüllt wird, dafür sorgen auch die vielen ehrenamtlichen Helfer, die zum Teil früher selbst einmal Teilnehmer waren. Als Betroffene haben sie stets ein offenes Ohr für die großen und kleinen Sorgen der Kids und sind wichtige Vorbilder. Die Kinder und Jugendlichen sollen sehen, dass sie trotz der Erkrankung in jeder Beziehung erfolgreich sein können.
Nach dem Kurs ist vor dem Kurs
Fremde Länder, ereignisreiche Ausflüge und leckeres Essen – eine Weltreise schweißt zusammen. Und so flossen beim großen Abschlussfest des KiDS-Kurs auch im letzten Sommer viele Abschiedstränen. Spätestens beim nächsten KiDS-Kurs wollen sich alle wieder treffen, dann wird das Ferienlager zum 20. Mal stattfinden. Und Doc Milek? Seit die Zelte im Schlaubetal abgebrochen wurden, verhandelt er wieder mit den Krankenkassen und streitet mit ihnen für die jungen Diabetespatienten um eine altersgerechte Schulung außerhalb der Klinik. Damit 80 Kids wie Niklas in 2011 dabei sein dürfen, wenn es heißt: Manege frei für den „Circus Diabolus – Best of 20 Jahre KiDS-Kurs“.
Pressemitteilung und Bildquelle: Bayer Vital GmbH, 21.01.2011