Freitag, 15. Juni 2012

Forschung für Menschen mit Diabetes Typ 1

Novo Nordisk gründet Typ-1-Diabetes-Forschungs- und Entwicklungszentrum in Seattle

Novo Nordisk wird im Sommer 2012 in Seattle im US-Bundesstaat Washington ein neues Forschungs- und Entwicklungszentrum für Typ-1-Diabetes eröffnen, das von dem deutschen Diabetes-Forscher Dr. Matthias von Herrath geleitet werden wird. Am gleichen Standort befindet sich bereits das Novo Nordisk F&E-Institut für inflammatorische Erkrankungen. Die Eröffnung des neuen Zentrums vereint so vor Ort die wachsende Expertise des Unternehmens auf dem Gebiet der Immuntherapie mit der Kompetenz als weltweit führendes forschendes Pharmaunternehmen im Diabetes-Bereich.

Besonderes Merkmal der Einrichtung wird neben einem translationalen Forschungsansatz die Kombination von Grundlagenforschung und frühzeitigen Proof-of-Concept-Studien unter einem Dach sein. Die zunächst 20 Wissenschaftler verfolgen damit unter der Leitung von Dr. Matthias von Herrath das Ziel, Projekte aus dem Frühstadium schneller in kleinere Typ-1-Diabetes-Forschungsstudien zu überführen. Der in Freiburg promovierte, designierte Leiter wurde 2008 mit dem renommierten Outstanding Scientific Achievement Award der ADA (American Diabetes Association) ausgezeichnet. Derzeit leitet er das Forschungsinstitut für Typ-1-Diabetes am La Jolla Institute for Allergy and Immunology in San Diego.

"Es war schon immer mein Traum, einige der Behandlungsmethoden, die in der präklinischen Forschung von meinem oder anderen Teams getestet wurden, in bessere Therapien für Typ-1-Diabetes überführt zu sehen. Als Leiter des Forschungszentrums hoffe ich, diesen Traum weiter verfolgen zu können", so Dr. von Herrath.

Forschung zu Typ-1-Diabetes

In den vergangenen zehn Jahren lag der Forschungsfokus vieler Institute und Unternehmen aufgrund der starken Zunahme von Fällen häufig beim Typ-2-Diabetes. Beim Typ-1-Diabetes handelt es sich um eine andere Form der Erkrankung, bei der die Insulintherapie lebensnotwendig ist. Hier konnten in den zurückliegenden Jahren wenig bedeutende wissenschaftliche Fortschritte verzeichnet werden.
"Bereits seit Gründung des Unternehmens engagiert sich Novo Nordisk leidenschaftlich für Menschen im Kampf gegen ihre Diabeteserkrankung. Wir hoffen, mit unserem neuen Typ-1-Diabetes-Entwicklungszentrum den Forschungsprozess entscheidend voranzubringen und innovative Wege zur Behandlung von Menschen mit dieser Krankheit zu finden. Unsere Vision ist die erfolgreiche Behandlung und letztendlich die Heilung von Diabetes", so Mads Krogsgaard Thomsen, Executive Vice-President und Chief Science Officer von Novo Nordisk.

Weltweit arbeiten bei Novo Nordisk circa 6.000 Mitarbeiter im Bereich Forschung und Entwicklung. Das Unternehmen unterhält Forschungseinrichtungen in Måløv (Dänemark), Peking und Seattle.

Pressemitteilung von Novo Nordisk, erschienen am 13.02.2012

Donnerstag, 14. Juni 2012

Diabetes-Aufklärung muss weitergehen

Diabetes ist eine Volkskrankheit und wird vererbt, das wissen die meisten Deutschen. Umfrageergebnisse zeigen allerdings, dass die breite Bevölkerung weder die Risikofaktoren der Erkrankung kennt, noch weiß, dass durch einen gesunden Lebensstil vorgebeugt werden kann. Die Umfragen der bundesweiten Aktion „Wissen was bei Diabetes zählt: Gesünder unter 7“ bestätigen erneut, wie wichtig eine Aufklärung über Diabetes ist, um der Verbreitung der Erkrankung entgegenzutreten und das Leben der Menschen mit Diabetes zu verbessern. Die Daten stammen aus Viernheim und Saarbrücken, zwei Städten, in denen die von Sanofi initiierte Aktion „Wissen was bei Diabetes zählt: Gesünder unter 7“ letztes Jahr Station machte.

Gesunder Lebensstil reduziert Diabetesrisiko
Weltweit erkranken immer mehr Menschen an Diabetes. Deutschland nimmt bei den Neuerkrankungen den traurigen ersten Platz in Europa ein. Allein die genetische Veranlagung verursacht dabei keinen Diabetes. Vielmehr gehören Übergewicht, ungesunde Ernährung und Bewegungsmangel zu den wichtigsten Risikofaktoren. Umso alarmierender ist, dass nicht einmal die Hälfte der Befragten wusste, dass Diabetes durch einen ungesunden Lebensstil entstehen kann (Saarbrücken: 44 Prozent; Viernheim: 50 Prozent). Nur knapp jeder Dritte nannte Übergewicht als Risikofaktor (Saarbrücken: 35 Prozent; Viernheim: 23 Prozent). 15 Prozent gingen sogar davon aus, dass Sport bei der Vorbeugung eines Diabetes nicht helfen könne. Zudem bewegten sich die befragten Diabetiker zu wenig: Jeder Dritte treibt nicht regelmäßig Sport. Das Wissen um Risikofaktoren und die Bedeutung einer gesunden Lebensführung kann helfen, Diabetesfälle zu vermeiden und den Krankheitsverlauf positiv zu beeinflussen. Richtige Ernährung und regelmäßige Bewegung wirken sich auf den Stoffwechsel aus und senken das Risiko, an Diabetes zu erkranken.

Langzeitblutzuckerwert unter sieben Prozent schützt vor Folgeschäden
Der Langzeitblutzuckerwert HbA1c wird zur Einschätzung des langfristigen Risikos für Folgeerkrankungen herangezogen. Liegt der Wert dauerhaft über sieben Prozent, ist das Risiko für Folgeschäden wie Schlaganfall, Herzinfarkt und Erblindung hoch. 70 Prozent aller Befragten in Viernheim (Saarbrücken: 43 Prozent) wussten nicht, warum der Langzeitblutzuckerwert HbA1c wichtig ist. 79 Prozent kannten nicht den Bereich, in dem der Wert liegen sollte (Saarbrücken: 54 Prozent). Diabetiker sollten ihren Langzeitblutzuckerwert HbA1c im Blick haben und dessen Bedeutung kennen. Die Realität sieht allerdings anders aus: 22 Prozent der Diabetiker in Viernheim (Saarbrücken: 8 Prozent) war die Wichtigkeit des Wertes nicht bekannt, 33 Prozent wussten nicht, wie hoch er sein darf (Saarbrücken: 5 Prozent). Bei Werten, die trotz Lebensstiländerung mit gesunder Ernährung und mehr Bewegung dauerhaft über sieben Prozent liegen, sollte die Therapie angepasst werden. Nur so kann das Risiko für Folgeerkrankungen reduziert werden.

Pressemitteilung von sanofi, erschienen am 23.02.2012

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Dienstag, 12. Juni 2012

Frühe Periodenblutung kann höheres Diabetesrisiko bedeuten

Je jünger Mädchen bei ihrer ersten Periodenblutung sind, umso höher ist ihr Risiko im Laufe des Lebens an Vorstufen von Diabetes oder auch Diabetes selbst zu erkranken. Zu diesem Ergebnis kamen Wissenschaftler des Helmholtz Zentrum München bei Auswertung von Daten der KORA-Kohorte. Mit dem jetzt vorab online bei dem Fachjournal Diabetologia veröffentlichten neuen Risikofaktor hoffen die Forscher, künftig Diabetes präventiv besser begegnen zu können.

Frauen mit einem erhöhten Diabetesrisiko könnten künftig anhand ihrer ersten Regelblutung identifiziert werden. Denn je früher diese eintritt, so haben Dr. Christine Meisinger, Dr. Doris Stöckl und ihre Kollegen vom Helmholtz Zentrum München jetzt herausgefunden, desto wahrscheinlicher treten im weiteren Leben Vorstufen von Diabetes oder auch Diabetes selbst auf. Zu diesem Ergebnis kamen die Forscher nach der Untersuchung von 1.503 Frauen im Alter von 32-81 Jahren im Rahmen der KORA-F4-Studie, wobei das durchschnittliche Alter, in dem die erste Regelblutung auftrat, 13 Jahre beträgt. Anders als bisher vermutet ist dieser Zusammenhang unabhängig vom BMI, den die Studienteilnehmer als Erwachsene haben

„Wir hoffen, dass es so möglich sein wird, Personen mit einem erhöhten Diabetes-Risiko frühzeitig zu erkennen und vorbeugende Maßnahmen zu treffen“, sagt Doris Stöckl. Sie und Ihre Kollegen untersuchen nun, inwiefern der entdeckte Zusammenhang auf genetische beziehungsweise sozialökonomische Faktoren beruht. Das Verständnis der Entstehungsmechanismen von Volkskrankheiten und die Ableitung neuer Angriffspunkte für Diagnose, Therapie und Prävention ist Ziel des Helmholtz Zentrums München.


Original-PublikationStöckl, D. et al. (2010). Age at menarche is associated with prediabetes and diabetes in women (aged 32–81 years) from the general population: the KORA F4 Study, Diabetologia, DOI: 10.1007/s00125-011-2410-3Link zur Fachpublikation.

Fachlicher Ansprechpartner Dr. med Doris Stöckl, Helmholtz Zentrum München – Deutsches Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt (GmbH), Ingolstädter Landstraße 1, 85764 Neuherberg – Tel.: 089-3187-4153 – E-Mail:

Pressemittteilung Helmholtz Zentrum München vom 22.12.2011

Donnerstag, 7. Juni 2012

Mit Sport zu einem längeren Leben

Schon 15 Minuten täglich erhöhen die Lebenserwartung

Ein beliebter Vorsatz zum Neuen Jahr ist es, mehr für die Gesundheit zu tun. Dabei hilft die neue Erkenntnis, dass bereits eine Viertelstunde Bewegung am Tag die Lebenserwartung um drei Jahre verlängern kann. Dies ergab jetzt eine große Studie mit mehr als 400.000 Teilnehmern. „Wer sich aufrafft, wird belohnt – und senkt damit sein Risiko sowohl für einen Schlaganfall, als auch für Herzkrankheiten, Krebs und Diabetes“, ermuntert Professor Hans-Christoph Diener, Neurologe am Universitätsklinikum Essen.  


Für die Untersuchung wurden in den Jahren 1996 bis 2008 in Taiwan mehr als 400.000 Frauen und Männer bei jährlichen Reihenuntersuchungen nach der Dauer und Intensität ihrer körperlichen Aktivitäten befragt. Anschließend hatte man die Studienteilnehmer anhand dieser Angaben in fünf Gruppen eingeteilt: inaktive Menschen, die sind in ihrer Freizeit überhaupt nicht bewegten, und solche mit niedriger, mittlerer, hoher und sehr hoher Aktivität. Im Durchschnitt acht Jahre lang verfolgten die Wissenschaftler um Chi Pang Wen von den Nationalen Gesundheitsforschungsinstituten in Zhunan den Gesundheitszustand der Studienteilnehmer und verglichen dann, wie viele Menschen in den fünf Gruppen gestorben waren.

Schon für die Gruppe mit geringer Aktivität – die Teilnehmer hatten sich durchschnittlich nur 92 Minuten pro Woche oder 15 Minuten am Tag bewegt – konnten die Ärzte einen erheblichen Nutzen für die Gesundheit nachweisen: Gegenüber den trägen Studienteilnehmern war ihre Sterberate um 14 Prozent geringer und sie hatten – umgerechnet auf ein Alter von 30 Jahren – eine im Durchschnitt um drei Jahre höhere Lebenserwartung. Als die Wissenschaftler die Daten nach verschiedenen Todesarten aufschlüsselten, konnten sie zeigen, dass bereits das Mindestmaß an Bewegung von einer Viertelstunde täglich mit einer verringerten Wahrscheinlichkeit für Krebs, Gefäßerkrankungen, Herzleiden, Schlaganfällen und Diabetes einherging.  


Die Statistiken der Forscher betätigten auch frühere Erkenntnisse, wonach das Erkrankungsrisiko immer weiter sinkt, je mehr man sich bewegt: Die Gesamtsterblichkeit nahm mit jeder weiteren Viertelstunde täglicher Aktivität um vier Prozent ab, die Krebssterblichkeit um ein Prozent. „Nachdem frühere Untersuchungen bereits einen erheblichen Nutzen für die Gesundheit durch 2,5 Stunden körperliche Aktivität pro Woche belegt haben, sind diese neueren Daten auch für weniger willensstarke Menschen eine gute Nachricht“, kommentiert Diener das Ergebnis. „Wer sich zum Neuen Jahr ein bisschen mehr Bewegung vornimmt, hat gute Chancen, Silvester noch ein paar Mal öfter feiern zu können.“

Pressemitteilung der Deutschen Gesellschaft für Neurologie vom 23.12.2011

Dienstag, 5. Juni 2012

Zuzahlungsbefreiungen für 2012

Für Diabetiker und andere chronisch Kranke liegt die Grenze bei 1 Prozent
Patienten, die Mitglied in der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) sind, sollten sich schon jetzt bei ihren Kassen über Zuzahlungsbefreiungen für 2012 informieren. Die aktuellen Bescheinigungen laufen mit Ende des Kalenderjahres 2011 aus. Darauf weist die ABDA - Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände hin. Ist vom Arzt auf dem Rezept kein Befreiungsvermerk eingetragen und legt der Patient auch in der Apotheke keinen entsprechenden Bescheid vor, sind die Apotheken gesetzlich verpflichtet, die Zuzahlungen im Auftrag der Krankenkassen einzusammeln und an sie weiterzuleiten.

Kinder und Jugendliche bis zur Vollendung des 18. Lebensjahres sind grundsätzlich zuzahlungsbefreit. Volljährige Versicherte müssen dagegen bei vielen Leistungen zugunsten der Krankenkasse zuzahlen (z. B. Arztbesuch, Krankenhausbehandlung, Fahrkosten, Heil- und Hilfsmittel). Bei den Arzneimitteln belaufen sich die Zuzahlungen auf 10 Prozent des Preises des Arzneimittels. Mindestens sind es 5 Euro und höchstens 10 Euro. Es sind jedoch nie mehr als die eigentlichen Kosten des Arzneimittels vom Patienten zu entrichten.

Nach Erreichen der Belastungsgrenze von 2 Prozent des Jahresbruttoeinkommens (1 Prozent bei chronisch kranken Menschen) können sich Versicherte durch ihre gesetzliche Krankenkasse auf Antrag von der Zuzahlung befreien lassen. Insgesamt sind 7,2 Mio. Patienten in Deutschland zuzahlungsbefreit, darunter 6,8 Mio. chronisch kranke Menschen (Belastungsgrenze: 1 Prozent des Jahresbruttoeinkommens) und 0,4 Mio. Patienten, die die Belastungsgrenze von 2 Prozent ihres Einkommens überschritten haben.

Die Apotheken sind darauf vorbereitet, Quittungen über Zuzahlungen auszustellen, in ein Sammelheft einzutragen oder - bei Kundenkarten - Sammelquittungen am Jahresende auszudrucken. Sobald die Belastungsgrenze innerhalb eines Kalenderjahres erreicht ist, kann man sich einen Befreiungsbescheid ausstellen lassen. Erfahrungsgemäß bieten einige Kassen ihren Versicherten zum Jahresende einen Antrag für das Folgejahr an: Infrage kommende Patienten zahlen die errechnete Belastungsgrenze dann als Vorauszahlung.

Pressemitteilung der ABDA - Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände vom 9.12.2012

Montag, 4. Juni 2012

Stoffwechselfehlprogrammierung im Mutterleib - EU-Forschungsprojekt startet

Forscher aus vier europäischen Ländern wollen in den kommenden vier Jahren untersuchen, wie sich Übergewicht und Diabetes bei Frauen während der Schwangerschaft auf Gesundheit und Gesundheitsrisiken ihrer Kinder auswirken. Bereits im Mutterleib wird - zusätzlich zu den genetischen Grundlagen - die Basis für die weitere gesundheitliche Entwicklung der Kinder gelegt. Untersuchungen bei so genannten "Retortenbabys" hatten ergeben, dass diese Kinder überdurchschnittlich oft übergewichtig geworden waren. Im Verdacht stehen dabei ein zu nährstoffreiches Kulturmedium oder andere Faktoren, die bei einer In-vitro-Fertilisation einwirken können (höheres Alter der Mütter, Kryokonservierung, etc.). Tierversuche haben inzwischen diesen ganz frühen Einfluss auf die spätere Gesundheit bestätigt, also bereits zu einem Zeitpunkt, an dem eine Mutter noch gar nicht weiß, dass sie schwanger ist.

Wissenschaftler aus sieben Universitäten und Biotechnologiefirmen werden im Rahmen eines gemeinsamen Projektes "EpiHealth" durch die Europäische Union gefördert. Insgesamt stehen dafür 2,9 Millionen Euro zur Verfügung. Davon fließen etwa 370.000 Euro an das hallesche Institut für Anatomie und Zellbiologie. Institutsdirektor Professor Dr. Dr. Bernd Fischer freut sich darüber: "Es ist bereits das sechste Projekt bei uns, das durch die Europäische Union gefördert wird." Er sehe dies als Anerkennung der Forschungsleistungen seiner Arbeitsgruppe. Die EU habe diese Forschungsprojekte in den vergangenen Jahren mit bisher 1,7 Millionen Euro unterstützt.

Bereits seit vielen Jahren beschäftigen sich die halleschen Wissenschaftler mit Stoffwechselerkrankungen. Die Embryologen und Zellbiologen werden nun an Hand eines Tiermodells untersuchen, wie es im Mutterleib innerhalb der ersten sechs Tage nach der Befruchtung zur Fehlprogrammierung des Stoffwechsels kommt. "Wir wollen klären, welche Einflüsse sich bereits weit vor der Geburt, um den Zeitpunkt der Konzeption herum, auf die gesundheitliche Entwicklung der Kinder auswirken." Vielen Ärzten und Laien sei nicht bekannt, dass die Gesundheit des Kindes bereits während der Schwangerschaft zum Teil festgelegt werde. Dies bedeutet beispielsweise, dass Kinder von übergewichtigen Müttern ein höheres Risiko tragen, auch übergewichtig zu werden.

"Angesichts der Prognosen, dass die Zahl der (zum Teil stark) übergewichtigen Menschen in den Industrienationen in den kommenden Jahren stark ansteigen wird, ist es nach unserer Auffassung besonders wichtig, die Mechanismen für solche Fehlentwicklungen zu ergründen", sagt der hallesche Wissenschaftler. Beispielsweise werde erwartet, dass im Jahr 2020 etwa drei Viertel aller US-amerikanischen Frauen und Männer übergewichtig sein werden. Diabetes und aus Übergewicht resultierende Folgen wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Schlaganfälle hätten Einfluss auf die Lebenserwartung und Lebensqualität der Betroffenen: "Beide sinken bei diesen Risikofaktoren. Daher müssen wir mehr über Gesundheitsdeterminaten für die kommenden Generationen verstehen." Diabetes sei keine genetisch bedingte Erbkrankheit, werde aber im Falle von Schwangerschaftsdiabetes oder bei Übergewicht von der Mutter auf das Kind übertragen.

Zwei junge Wissenschaftlerinnen aus dem halleschen Institut, eine Biologin und eine Ernährungswissenschaftlerin, werden im Rahmen des Forschungsprojektes an ihren Doktorarbeiten arbeiten. Professor Fischer: "Wir glauben, dass vor allem bei den Blastozysten - also dem Entwicklungsstadium des Embryos zwischen dem dritten/vierten bis sechsten Tag nach der Befruchtung - die Fehlprogrammierung des Stoffwechsels erfolgt." Sie werden bei diabetischen Müttern mit Glukose überschwemmt, können jedoch selbst noch kein Insulin herstellen und sind deshalb nicht in der Lage, die Glukose adäquat zu verstoffwechseln. "Die Blastozysten sind schon kleine Diabetiker." Ein neuer Befund aus der Arbeitsgruppe von Professor Fischer ist, dass zudem Fettgewebshormone der Mutter sich bereits auf den Stoffwechsel der Blastozysten auswirken. Da sich die Stoffwechselwege bei Blastozysten und bei Alternsvorgängen ähneln, wird eine der beiden Doktorandinnen über diesen Zusammenhang zwischen dem Beginn und "Ende" des Lebens forschen.

Pressemitteilung der Universität Halle vom 2.12.2012